Chronologie des Wahnsinns

Logbuch von Flo&Chris auf dem RPR1. Open Air am 6.9.2014
von Flo

7h
Der Wecker klingelt und mein Puls schnellt in die Höhe! Der große Tag ist da. Heute werde ich mit Chris zusammen auf dem RPR1. Rheinland-Pfalz Open Air spielen, ca. 60.000 Leute werden erwartet, unser bisheriger Besucherrekord lag bei ungefähr 6000 Menschen. Man kann also durchaus von einer heftigen Steigerung reden. Um 16h10 fällt der Startschuss für unseren Auftritt und vorher ist noch einiges zu erledigen.

Also raus aus dem Bett, Sachen packen und ab nach Mainz. Der Soundcheck steht an!

8h
Als ich auf dem Festival-Gelände ankomme, ist Chris schon da. Er ist wesentlich entspannter als ich und wirkt, als wäre das heute ein Tag wie jeder andere. Kann ich von mir nicht grade behaupten. Seit anderthalb Stunden fährt mein Bauch nun schon Achterbahn und macht auch keine Anstalten, in absehbarer Zeit auszusteigen. Na gut, ein bisschen Arbeit wird helfen.

Auf der Bühne sind die Vorbereitungen schon seit Tagen in vollem Gange und auch wenn es manchmal etwas chaotisch aussieht, ist alles genauestens getimet und geplant. Sehr beeindruckend. Die ganze Bühne ist bereits übersät von Klebestreifen, die mit Sachen wie “Cro Mic” oder “Guitar Rea Garvey” beschriftet sind. Da stehen die nachher also. :)

Wir bauen unser Equipment auf den dafür vorgesehenen Platz auf und machen einen schnellen Soundcheck. Inkl. Aufbau haben wir für alles 45 Minuten, die wir auch voll ausnutzen. Unsere fahrbare Mini-Bühne wird wieder nach hinten geschoben und wir sind für den Moment fertig.

10h
Zeit zu frühstücken! Im Landtag nebenan gibt’s ein großes Frühstücksbuffet und wir schlagen gemeinsam mit unserem Technik-Team ordentlich zu. Es schmeckt!

Danach kurz unseren Backstage-Raum inspizieren. Alligatoah ist direkt neben uns, genau wie die beiden Bands vor uns, Eau Rouge und Tune Circus. Cro, Rea Garvey und Kim Wilde haben abgetrennte Bereiche, so dass wir die wohl erst später zu Gesicht bekommen. :)

11h
Leider haben wir in geistiger Abwesenheit vor längerer Zeit ein weiteres Event für den Abend zugesagt. 30 Minuten von Mainz entfernt. Die nächsten zwei Stunden bauen wir dort auf, machen Soundcheck und kehren dann wieder auf die Große Bleiche zurück.

13h
Als wir zurückkommen ist gerade Rea Garvey auf der Bühne und schaut, dass alles später so klingt, wie’s soll. Als er dann in den Backstage-Bereich kommt, machen wir ein kurzes Foto und verabreden uns mit der Band für die Aftershow-Party. Das sind Iren, es könnte also interessant werden. :)

Am Eingang des Festivals treffen wir uns dann mit unserem Promotion- und Merchandise-Team. 15 sexy Mädels und Jungs werden die Menge mit T-Shirts, Aufklebern und guter Laune versorgen. Alle sind hochmotivert und freuen sich auf die nächsten Stunden.

14h
Die Tore werden geöffnet. Vom Landtag aus sehen wir, wie die Fans in die ersten Reihen stürmen. Meine Aufregung wird dadurch nicht gerade weniger, aber es sieht witzig aus, wie sie da über das Gelände heizen.

Mittlerweile ist auch unser Filmteam am Start. Die dürfen heute Fotos und Videos von uns machen. Nach einem letzten Briefing im Backstage-Raum ist auch das save.

Kurz danach treffen wir Larissa von bigFM, die uns ansagen wird. Schöner Moment, unseren Pressetext von einer sexy Stimme vorgelesen zu bekommen. Wir besprechen, wann und wie wir unser Trompeten-Intro machen und andere wichtige Dinge.

Als wir in unseren Raum zurückkehren kommt uns opernähnlicher Gesang entgegen. “Alligatoah” singt sich nebenan warm. Wir klopfen an und quatschen eine Runde. Extrem cooler Typ und sehr nett. Wir lassen ihn weitersingen.

14h30
Los geht’s, das Festival startet mit “Eau Rouge”. Der Platz füllt sich immer mehr. Chris ist immer noch viel zu tiefenentspannt.

15h
Umziehen. Warmsingen. “Tune Circus” auf der Bühne. Aufgeregt herumwuseln. Auf die Bühne gehen. Gitarre stimmen. Wieder runter gehen. Wieder hoch. Gitarre nochmal stimmen. Wieder runter. Debil grinsen. Tief Luft holen. Chris: “Also ich bin entspannt!”

16h
Es geht los: um 16h13 tröten wir unsere 20th-Century Fox-Fanfare und springen ins sonnige Rampenlicht. WAS EIN ANBLICK!!!

Meine Aufregung verfliegt fast in der selben Sekunde und ich strahle von einem Ohr bis zum anderen. Es sieht einfach genial aus, wenn dich zehntausende Menschen anschauen und drauf warten, was du zu präsentieren hast. Wir fangen an!

Direkt der erste Song “Jein” hat seine Tücken. Ich ziehe versehentlich mein Gitarrenkabel und wundere mich 20 Sekunden, warum die Gitarre auf einmal so leise ist. Glücklicherweise bin ich jetzt im Entspannungsmodus, erkenne den Fehler und regel ihn. Weiter geht’s!
Als ob er die Balance wieder herstellen will, switcht Chris jetzt auf Nervosität und vergisst die halbe zweite Strophe. Nach kurzem ratlosen Anschauen überspringen wir sie kurzerhand und setzen zum letzten Refrain an. Vielleicht hat’s ja keiner gemerkt! :D

Danach läuft alles wie am Schnürchen. Bohemian Rapsody, Blurred Lines, spätestens bei Sing Hallelujah ist die Menge am Toben. Wir haben schließlich auch gerade das Tanzverbot aufgehoben. Es folgen Gangnam Style und Farin Urlaubs Live-Meisterwerk “Zehn”. Wir springen, die Leute springen, alles super!

Danach ist vorerst Schluss und wir werden von den “Zugabe-Rufen” schier überwältigt. Zur Belohnung gibt’s unser Geburtstagsständchen. Jeder, der will kann sich unter geschenk.kleineband.de eintragen und bekommt zum Ehrentag ein Lied geschickt. Danach greifen wir nochmal tief in die Trickkiste und zünden unser Kinderlied-Medley. Zum Schluss noch ne gute Prise Rock’n’Roll und mit einer langen Verbeugung und einem letzten Blick in die vielen, strahlenden Gesichter verschwinden wir wieder von der Bühne. “Flooooooo & Chriiiiiiiisss” ruft Larissa in die jubelnde Menge.

Hinter der Bühne fallen Chris und ich uns in die Arme und hüpfen wie kleine Kinder.

17h
Runterkommen. Glückwünsche entgegen nehmen. Schweißtriefende Auftrittsklamotten wechseln.

Nach ungefähr 20 Minuten sind wir geistig wieder anwesend und mischen uns unter die Zuschauer, um Cro anzuschauen. Zwischendurch immer mal wieder Fotos mit Leuten. Machen wir doch gerne. :)

18h
Alligatoah schauen wir vom Bühnenrand. Auch on stage ist er cool, spielt den Arroganten. Witzig, wenn man ihn ein paar Stunden vorher noch als lieben, netten Typen kennengelernt hat. :)

19h
Abfahrt zum Parallel-Event. 2-3 Stunden Musik bis zur Erschöpfung. Rückkehr. Die Aftershow-Party wartet.

1h
Nach Mitternacht sind wir wieder im Landtag und treffen auf der Party auf viele RPR1.ler und natürlich wie ausgemacht auf die Rea Garvey-Band. Rea selbst ist unterwegs bei Freunden, macht aber nix, denn die Iren halten, was sie versprechen. Keine Minute vergeht und schon steht vor mir Bier + Jägermeister. Als das nicht mehr da steht, kommt direkt die nächste Fuhre. Wir reden, lachen und tanzen schließlich bis 3h zur DJ-Musik auf der Dach-Terrasse des Landtags.

3h
Letzter Stop dieses verrückten Tages. Eine Disko in der Nachbarschaft. Einer unserer Mitarbeiter bringt die gesamte Crew mit seinem Personalausweis zum lachen. Nur weil er so einen lustigen Nachnamen hat. Noch zwei Stunden wird gefeiert, dann geht’s heimwärts.

5h
Daheim.

7h
24 Stunden Non-Stop-Action vorbei. Wirklich ganz runtergekommen. Im Traumland.